Joachim Feldmeier
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Naturgewalten - Kräfte der Natur

 

Auf den folgenden Seiten sehen Sie in Kurzform eine Dokumentation über die Entstehung des Holzschnitt-Zyklus Naturgewalten - Kräfte der Natur. Dieser größte malerische Holzschnitt aller Zeiten besteht aus 56 Einzelbildern.

 

Durch den Einsatz moderner Technologien beginnt für die traditionsreichste und älteste druckgrafische Technik ein neues Zeitalter. Der Holzschnitt wurde in seiner knapp 600-jährigen Geschichte nur von unwesentlichen Neuerungen begleitet. Technische Hilfen, wie sie vom Tief-, Flach- oder Siebdruck her bekannt sind (Chemische Prozesse oder Fototechnik), können vom Holzschneider nicht zur Herstellung der Druckstöcke übernommen werden. Alles, was nicht drucken soll, muss vom Künstler mit Schneidemessern oder einfachen Handmaschinen manuell von der Oberfläche der Druckplatte entfernt werden.

 

Seit etwa 1985 entwickelt und erforscht Feldmeier ein neues künstlerisches Verfahren zur Bearbeitung der Druckstöcke. Bezeichnungen dafür sind CAW = Computer Aided Woodcut = Computerunterstützter Holzschnitt oder CNC-Gesteuerter Holzschnitt. Publikationen darüber erscheinen seit 1996. Erste öffentliche Präsentation und Vorführung im Jahre 1997 auf der Grafikmesse artmultiple Düsseldorf.

 

CAW beinhaltet für Feldmeier die Kombination zwischen manueller Schneidearbeit und CNC-gesteuerten Fräsarbeiten. Dabei werden die auszuschneidenden Bildteile mit einem  geeigneten CAD-Programm auf dem Computer gezeichnet. Die Vektordaten überträgt er mit Hilfe von Postprozessoren in die Sprache der  CNC-gesteuerten Fräsmaschine.

 

Für jedes Einzelbild des Zyklus Naturgewalten - Kräfte der Natur schneidet Feldmeier ein oder zwei Druckstöcke als Verlorene Platte. Die Künstlerdrucke werden in 8 Druckgängen als Unikat abgedruckt. Weil nicht nachgedruckt werden kann, druckt der Künstler zur Sicherheit ein weiteres Exemplar als Épreuve d`Artiste.

 

Beginn und erste konkrete Planung: August 1998

 

Fertigstellung: März 2000

 

Erste Veröffentlichung des Projekts: November 1999

 

Und nichts ist gewaltiger als die Natur

 

Die Fähigkeit der Natur zu überwältigen, Sinn  und Gemüt buchstäblich Gewalt anzutun, schlägt sich für Feldmeier nicht nur in Wasserfall- und Bergbombast nieder, sondern auch in einem schlichten Stück Wald. Nichts anderes ist das Motiv der ''Naturgewalten - Kräfte der Natur'': eine lange Stakete von Bäumen, umkleidet von Nadel- und Blätterwerk, Rinden und Geäst. Analog dazu liegt für den Künstler das Außergewöhnliche denn auch keineswegs bloß in der den  Menschen weit überragenden Höhe der Bäume, sondern in den unendlichen  Feinstrukturen, in der nicht zu erschöpfenden Formenvielfalt, mit der die Natur gerade dort aufwartet, wo der Blick für gewöhnlich über sie hinweg gleitet.

 

Der Aufwand, den Feldmeier für die Schaffung  seiner ''Naturgewalten - Kräfte der Natur'' betrieben hat, ist enorm. Zu Hilfe kam ihm jenes Hilfsmittel, als dessen Erfinder er gelten darf: eine Holzfräse, die mittels eines selbst entworfenen Computerprogramms gesteuert wird und vor allem die Arbeit fürs Grobe übernimmt. Denn nach wie vor gestaltet Feldmeier mit Messer und Hohleisen, der klassischen  Gerätschaft des Holzschnitzers. Auf jedem der 56 Druckstöcke wurde nach  dem Prinzip der verlorenen Platte gearbeitet: Nach dem ersten Druck wird die Platte weiter bearbeitet, kommt erneut zum Druck, und so fort - ein Nachdruck wird damit unmöglich. Insgesamt liegen auf jeder der Leinwände bei den ''Naturgewalten - Kräfte der Natur'' acht  Druckschichten übereinander. Das ergab jenen Effekt des malerischen Holzschnitts, als dessen Exponent Feldmeier gilt. Die Charakteristika,  die für gewöhnlich mit dem Holzschnitt verbunden werden - klar die Zeichnung, scharf die Helldunkel-Kontraste -, ist hier passé. Im  Schnitt wie auch im Einsatz der Farbe spürt der Künstler den Nuancen des Lichts, dem Tonwert der Farben nach. Und keine Frage, dass ein  frühherbstlicher Wald mit seinem prachtvollen Color ein dankbares Motiv abgibt.

 

Jenseits schierer Größe fasziniert an  Feldmeiers Holzschnitten aber noch ein anderes. Lässt sich beim Betrachten doch die Verfertigung eines Bildes nachvollziehen: Aus einem ersten, noch unzusammenhängenden Nebeneinander von Druckfarbe und  Weißraum entsteht mit jedem Schritt, mit dem man in die Distanz tritt, aus der amorphen Mikro- eine gestalthafte Makrostruktur, letztlich eben ein Bild. Dass ein solches nicht an sich ist, dass es vom Betrachter dank der Leistung seines Auges und Gehirns gemacht ist, gehört zu den  Erfahrungen, derer man sich in einem Zeitalter, in dem Bilder häufig für Realitäten gehalten werden, gar nicht oft genug bewusst machen kann.

 

Stefan Dosch, Allgäuer Zeitung (Kultur am Ort), 11. Januar 2003

 

 

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